Wie unterschiedlich diese Anforderungen sein können, zeigt die Objektplanung für den Neubau einer Dreifeldsporthalle am Humboldt-Gymnasium in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt. Der Fachbereich Schule und Sport der Stadt Düsseldorf hat die assmann gruppe am Standort Frankfurt mit der Objektplanung einschließlich Ausschreibung und Objektüberwachung beauftragt. Der Neubau entsteht an der Pempelforter Straße auf einem gewachsenen Schulcampus und umfasst neben der Dreifeldsporthalle und einem Gymnastikraum auch einen Tonsaal mit Tonstudio für die Clara-Schumann-Musikschule. Was zunächst nach einer klassischen Sporthallenplanung klingt, wird hier zu einer komplexen Planungsaufgabe.
Phase 0: Was ist hier überhaupt die beste Lösung?
Die eigentliche Objektplanung begann in diesem Fall nicht mit dem Entwurf. Den ersten Schritt bildete eine Machbarkeitsstudie mit überraschenden Ergebnissen. Das assmann-Projektvorbereitungsteam am Standort Dortmund untersuchte verschiedene Möglichkeiten für die Weiterentwicklung des Schulstandorts. Die Ergebnisse führten zu einer grundsätzlichen Neubewertung der Ausgangssituation: Die ursprünglich betrachtete Sanierung eines Schulgebäudes erwies sich als unwirtschaftlich, stattdessen zeigte sich ein Neubau über den gesamten Lebenszyklus hinweg als die langfristig wirtschaftlichere und zugleich nachhaltigere Lösung.
Auch für die Sporthalle eröffneten sich neue Perspektiven. Ein alternativer Standort auf dem Campus ließ eine deutlich bessere Umsetzung der erforderlichen Flächen zu. An der Pempelforter Straße sollen künftig die Dreifeldsporthalle mit einem Gymnastikraum und ein professioneller Tonsaal (Musikübungsraum), der für die Clara-Schumann-Musikschule errichtet wird, in einem gemeinsamen Gebäude umgesetzt werden.
Die Machbarkeitsstudie war damit weit mehr als eine Vorstufe der eigentlichen Planung. Sie schuf die Grundlage für strategische Entscheidungen zur zukünftigen Entwicklung des Schulstandorts und stellte die Weichen für die weitere Projektbearbeitung.
Bauen, wo eigentlich kaum Platz ist.
Der Schulstandort an der Pempelforter Straße bringt besondere Bedingungen mit sich. Das Humboldt-Gymnasium liegt zentral in der Nähe zum Hauptbahnhof, an einer stark frequentierten vierspurigen Hauptverkehrsachse mit Straßenbahn. Die Sporthalle entsteht also nicht auf einer großzügigen freien Fläche, sondern schließt eine Baulücke in einem dicht bebauten innerstädtischen Umfeld. Für die Objektplanung bedeutet das: Der verfügbare Raum muss sehr präzise organisiert werden. Das gilt für das Gebäude ebenso wie für die Baustelle. Angrenzende Wohnbebauung, bestehende Schulgebäude, eine Feuerwehrzufahrt, Verkehrsflächen und der laufende Schulbetrieb setzen enge Grenzen.
Hinzu kommen besondere Anforderungen an die Gründung. Aufgrund der Bodenbedingungen ist eine anspruchsvolle Tiefgründung mit Bohrpfählen erforderlich. Diese und alle weiteren Anforderungen müssen durch die Objektplanung berücksichtigt werden, denn sie wirken sich unmittelbar auf die Konstruktion, Planung und Bauausführung aus.
Baulücke heißt auch: Spätere Baustelle mitdenken.
Wo wenig Platz ist, muss nicht nur das Gebäude, sondern auch der Bauablauf funktionieren. Die Flächen für die Baustelleneinrichtung sind stark begrenzt, gleichzeitig muss die Anlieferung organisiert und der Schulhof sicher nutzbar bleiben. Für die Objektplanung bedeutet das vor allem, die entsprechenden Rahmenbedingungen zu erkennen, frühzeitig zu berücksichtigen und mit den späteren Abläufen abzugleichen. Denn was auf dem Papier funktioniert, muss auch unter den tatsächlichen Bedingungen des Standorts gebaut werden können.
Hier zeigt sich der Vorteil der interdisziplinären Aufstellung der assmann gruppe: Während die Objektplanung das Projekt bis zur Ausschreibungsreife entwickelt, übernehmen eigene Fachbereiche für Vergabe und Objektüberwachung die operative Umsetzung. Die planerische Federführung obliegt weiterhin der Objektplanung, diese bleibt bis zum Projektende eng eingebunden und sichert die gestalterische Leitlinie des Projekts.
Der enge fachliche Austausch zwischen Planung und Ausführung sorgt dafür, dass praktische Erkenntnisse aus der Baustelle bereits frühzeitig in die Planungsprozesse einfließen und so zu belastbaren, wirtschaftlichen und praxisnahen Lösungen beitragen.
Sporthalle und Tonsaal: Wenn unterschiedliche Anforderungen übereinanderliegen.
Eine Sporthalle braucht vor allem eines: Raum.
Große, stützenfreie Spielflächen und die erforderliche Hallenhöhe sind die Grundlagen für einen zeitgemäßen Sportbetrieb. Die damit verbundenen Spannweiten stellen hohe Anforderungen an Tragwerk und Konstruktion. Am Humboldt-Gymnasium bestand die Herausforderung jedoch nicht allein darin, die Dreifeldsporthalle innerhalb der vorhandenen Baulücke zu verorten. Gleichzeitig galt es, weitere Nutzungen auf dem begrenzten Baufeld unterzubringen und funktional sinnvoll zu organisieren.
Die Lösung liegt in einer klaren Gliederung des Gebäudes in zwei miteinander verzahnte Baukörper. Dabei bildet die Sporthalle das eigenständige, großvolumige Hauptelement. Darüber spannt sich ein Brückenbauwerk, in dem die übrigen Funktionen des Raumprogramms angeordnet und übereinandergestapelt werden. Auf diese Weise können die knappen Flächenreserven des Standorts optimal genutzt werden, ohne die Funktionalität der Sporthalle einzuschränken. Diese Anordnung stellt besondere Anforderungen an das Tragwerk. Die Lasten der oberhalb der Halle angeordneten Nutzungen müssen über großformatige, als wandartige Träger wirkende Konstruktionselemente aufgenommen und über massive Wandscheiben gezielt bis in die Gründung abgeleitet werden.
Eine Sporthalle dient üblicherweise nicht als klassische Auflagerkonstruktion für „darüberliegende“ Nutzungen. So entsteht eine projektbezogene Lösung, die die unterschiedlichen Anforderungen an Raumhöhe, Spannweiten, Nutzung und Konstruktion miteinander vereint. Das Ergebnis ist ein Gebäude, dessen Form nicht aus gestalterischen Überlegungen allein, sondern unmittelbar aus den komplexen funktionalen und konstruktiven Rahmenbedingungen des Standorts entwickelt wurde – ein Zusammenspiel von Architektur, Tragwerk und Nutzung. Eine Standardlösung ist dies jedenfalls nicht.
Nachhaltigkeit als städtebauliche Lösung.
Der Neubau soll sich selbstverständlich in sein Umfeld einfügen. Dabei reagiert die Architektur auf die unterschiedlichen Seiten des Gebäudes: Zur Pempelforter Straße nimmt die begrünte Teilfassade Bezug auf den gegenüberliegenden Malkastenpark. Die grüne Idee des Parks wird damit gewissermaßen über die Straße hinweg weitergeführt. Gleichzeitig greift der rötliche Farbton der Keramikfassade die Farbigkeit der Schulgebäude auf und schafft eine Verbindung zwischen alt und neu. Zum Schulhof hin trägt eine begrünte Holzfassade dazu bei, die gewünschte Campusatmosphäre zu stärken. Die Fassaden- und Dachbegrünung unterstützt hier zugleich ein angenehmeres Mikroklima an heißen Sommertagen. Der Einsatz von Photovoltaik, der Anschluss an die Fernwärme und eine Regenwassernutzung für Brauchwasser ergänzen das nachhaltige Konzept.
Damit reagiert die Gestaltung auf die unterschiedlichen Seiten des Standorts: Sie nimmt den Bestand auf, stellt einen Bezug zum öffentlichen Grünraum her und unterstreicht die Campusatmosphäre. Nachhaltigkeit wird so nicht als zusätzliches Element verstanden, sondern als Teil der architektonischen und städtebaulichen Lösung.
Eine Sporthalle - viele Nutzer.
Funktionierende Schulgebäude entstehen nicht allein aus Raumprogrammen und Flächenvorgaben. Entscheidend ist, die Menschen in den Blick zu nehmen, die das Gebäude später mit Leben füllen. Im Fall des Humboldt-Gymnasiums sind das die Schülerinnen und Schüler, Sportlehrkräfte, Musiklehrkräfte, Vereinssportler, die Clara-Schumann-Musikschule mit ihren Lehrkräften sowie die Nutzer des angeschlossenen Tonstudios. Ergänzt wird dieser Nutzerkreis durch Eltern, sowie Zuschauerinnen und Zuschauer des Vereinssports, die das Gebäude regelmäßig besuchen.
Für die Objektplanung bedeutet das einen intensiven Abstimmungsprozess. Unterschiedliche Anforderungen müssen aufgenommen, eingeordnet und in eine gemeinsame Planung übersetzt werden. Dabei geht es nicht nur um Raumgrößen und Funktionen, sondern auch darum, die unterschiedlichen Nutzungen und damit verbundene Anforderungen in Einklang zu bringen. Und die Planung muss noch einen weiteren Faktor berücksichtigen: Der Schulbetrieb läuft weiter.
Planung erfordert intensive Kommunikation.
Eine Baustelle mitten auf einem gewachsenen Schulcampus verändert den Alltag. Wege müssen funktionieren, Sicherheitsbereiche für die Schülerinnen und Schüler klar abgegrenzt sein und Beeinträchtigungen durch Baustellenlärm, mögliche Baustellenpausen oder eingeschränkte Flächen möglichst früh berücksichtigt werden.
Transparente und offene Kommunikation ist in diesem Projekt ein wesentlicher Teil der Planung. Neben dem Auftraggeber und den beteiligten Fachdisziplinen werden deshalb auch die späteren Nutzer frühzeitig eingebunden. So wurde beispielsweise ein Schulabend vorbereitet und durchgeführt, um Eltern und Lehrkräfte über das Projekt, das Nutzungskonzept und die bevorstehende Bauphase zu informieren. Welche Veränderungen kommen auf die Schule zu? Wie wird die Sporthalle künftig genutzt? Was erwartet die Schülerinnen und Schüler während der Bauphase? Und welche Auswirkungen sind durch Baustellenlärm oder Einschränkungen zu erwarten? Solche Fragen gilt es, rechtzeitig aufzugreifen und Antworten zu vermitteln.
Unterschiedliche Interessen und Anforderungen müssen also verstanden, fachlich eingeordnet und zu tragfähigen Lösungen zusammengeführt werden. Nicht alles lässt sich eins zu eins umsetzen. Umso wichtiger ist es, Abwägungen nachvollziehbar zu machen, Entscheidungen verständlich zu vermitteln und den Dialog über den gesamten Planungs- und Bauprozess aufrechtzuerhalten.
Von der Planung bis zur Realisierung.
Das Projekt befindet sich derzeit in der Leistungsphase 5 (Ausführungsplanung). Parallel hat die Leistungsphase 6 (Ausschreibung) begonnen und das Baumanagement seine Arbeit aufgenommen. Mit dem Übergang in die Vergabe endet die Arbeit der Objektplanung jedoch nicht. Das Team begleitet die weiteren Projektphasen und steht auch während der Bauphase für fachlichen Austausch und Rückfragen zur Verfügung. Von der ersten Machbarkeitsuntersuchung über die Entwicklung der Gebäudestruktur bis zur Ausarbeitung für die Ausschreibung begleitet die Objektplanung damit den gesamten Prozess und behält dabei auch die spätere Realisierung im Blick.
Was Sporthallen eint – und was sie einzigartig macht.
Was Sporthallen eint, sind ihre funktionalen Grundanforderungen: Raum, klare Abläufe, robuste Materialien und flexible Nutzungsmöglichkeiten. Was sie einzigartig macht, sind die Bedingungen, unter denen diese Anforderungen umgesetzt werden müssen.
Individuelle Objektplanung bedeutet deshalb, die Besonderheiten eines Projekts nicht als Einschränkung, sondern als Chance zu begreifen. Denn die beste Sporthalle ist nicht diejenige, die einem Standard entspricht, sondern diejenige, die ihren Nutzern und ihrem Standort gerecht wird.

