Qualitäten und Quantitäten in der Projektsteuerung: Die Grenzen der Plausibilitätsprüfung.

... Der Faktor Mensch.

Ein erfolgreiches Bauprojekt steht und fällt mit der Kommunikation. Individuelle Abstimmungen sowie ein gemeinsames Verständnis der Erwartungen von Auftraggeber und Projektsteuerer sind essenziell, um Missverständnisse und Fehlentwicklungen zu vermeiden. Dabei geht es nicht nur um Termine und Kosten, sondern auch um das Verständnis für die Qualität der Planung und deren Umsetzung.
Über die Autorin

Denise Melmuka, B.A. Architektin, ist als DVP-zertifizierte „Projektmanagerin Professional“ verantwortliche Projektleiterin für diverse Großprojekte im Hochbau für öffentliche Auftraggeber. Sie studierte Architektur an der Hochschule Bochum und ist seit 2010 bei der assmann GmbH Dortmund tätig, zunächst im Bereich Kostenmanagement und seit Ende 2010 im Projektmanagement. Denise Melmuka leitet seit 2019 den Leistungsbereich Projektmanagement in Dortmund, seit 2021 den Servicebereich Kostenplanung und verantwortet das Kompetenzfeld HOAI.

Meilensteine früh setzen.

Bereits zu Beginn eines Projekts ist es entscheidend, als Projektsteuerer eine klare Erwartungshaltung mit dem Auftraggeber zu definieren. Fragen zur Eigenverantwortung bei der Festlegung von Stichproben oder zur Häufigkeit der Qualitätskontrollen lassen sich niemals pauschal beantworten. Sie hängen von der Komplexität des Bauvorhabens und der Erfahrung aller Projektbeteiligten ab. Ein starres Raster zur Qualitätssicherung ist daher oft unzureichend. Vielmehr sind flexible, projektabhängige Lösungen gefragt, die sich an den realen Gegebenheiten orientieren. Optimalerweise sollte das interdisziplinäre Team der assmann gruppe frühestmöglich in ein Projekt eingebunden werden, bspw. vor der Beauftragung der Planer, um wichtige Meilensteine früh zu definieren und so am Ende einen Mehrwert für das Projekt zu erreichen.
 

Fehler früh erkennen.

Fehler, die in den frühen Phasen eines Bauprojekts – also während der Konzeptionierung und Entwurfsphase – auftreten, können mit relativ geringem Aufwand korrigiert werden. In der Realisierungsphase steigen die Kosten zur Behebung von Fehlern jedoch erheblich an und können sich vervielfachen. Noch gravierender sind Fehler, die erst nach Fertigstellung entdeckt werden. Die Korrektur solcher Mängel ist nicht nur besonders teuer, sondern kann auch erhebliche rechtliche und wirtschaftliche Folgen nach sich ziehen. Ein effektives Qualitätsmanagement, das frühzeitig auf eine umfassende Fehlererkennung setzt, ist daher essenziell, um Nachbesserungen zu minimieren und die Wirtschaftlichkeit eines Bauprojekts zu gewährleisten.
 

Zwischen Kontrolle und Steuerung.

Die Projektsteuerung spielt dabei eine Schlüsselrolle: Im Zentrum des Geschehens weiß sie jederzeit, wo das Projekt steht, wohin es gehen soll und wer welche Aufgaben bis wann zu erledigen hat. Die langjährige Erfahrung lehrt: Ein Projekt läuft nicht durch endlose E-Mail-Korrespondenzen oder umfassende formale Dokumentationen, sondern durch aktive Steuerung und Kommunikation mit allen Beteiligten. Zwei Euro als Fehlbuchung in einer Rechnung nachzuweisen ist nachvollziehbar und messbar. Doch die Fachplaner gemeinsam an den Tisch zu bringen, um Differenzen zwischen den Beteiligten zu klären, kann einen ganzen Tag kosten. Diese Arbeit allerdings lässt sich schwer als erbrachte Leistung dokumentieren und bringt am Ende dennoch einen entscheidenden Mehrwert für das gesamte Projekt. Die Herausforderung liegt also darin, zwischen notwendiger Kontrolle und zielführendem Management abzuwägen.
 

Prüfen und Überprüfen.

Die Qualitätssicherung ist ein zentrales Anliegen der Projektsteuerung. In jeder Phase eines Bauprojekts stehen dabei unterschiedliche Herausforderungen im Fokus, die durch gezielte Steuerungsmaßnahmen bewältigt werden müssen. Die Plausibilitätsprüfung ist ein wesentliches Werkzeug, um sicherzustellen, dass die Planungs- und Bauprozesse reibungslos verlaufen.

Im Projektmanagement unterscheidet man zwischen Prüfen und Überprüfen. Das Prüfen stellt eine originäre Kontrollverpflichtung dar. Es beinhaltet eine umfassende inhaltliche Prüfung auf Vertragskonformität und Richtigkeit. Das Überprüfen in der Qualitätssicherung hingegen ist eine sekundäre Kontrollverpflichtung unter der Fragestellung: Entspricht das Ergebnis der Planung? Hierbei erfolgt die Qualitätsprüfung anhand des vereinbarten Leistungsbildes, ohne dass eine detaillierte inhaltliche Kontrolle erforderlich ist. Dennoch besteht neben der sekundären Kontrollverantwortung eine Hinweispflicht, sollten Leistungsmängel erkannt werden.  
 

Stichproben: Überprüfen in Eigenverantwortung.

Laut AHO-Heft 9 bedeutet „Überprüfen“ eine planungsbegleitende Kontrolle von Arbeitsergebnissen in Stichproben. Diese Stichproben erfolgen in Eigenverantwortung, mit dem Ziel, besonders kritische und fehlerträchtige Vorgänge fachgerecht zu kontrollieren. Welche Vorgänge als kritisch einzustufen sind, hängt von verschiedenen Faktoren ab: Komplexität des Projekts, Projektroutine der Beteiligten, bestehende Risiken, Zieldefinition und aktueller Projektstand. Die Konzentration auf die wichtigsten Gewerke mit der höchsten Fehleranfälligkeit und den gravierendsten Auswirkungen ist in diesem Zusammenhang die Herausforderung. Hier geht es schließlich um relevante Einschätzungen mit fachlicher Tiefe und nicht um oberflächliche Quantität. Und um einen guten Austausch mit dem Auftraggeber, der die Erwartungshaltung beider Seiten berücksichtigt. Die Kommunikation miteinander und untereinander ist aus assmann-Sicht deshalb in jeder Projektphase ein wesentliches Kriterium für den Erfolg eines Projekts und muss stets individuell angepasst werden. Schließlich ist sie auch zu einem großen Teil davon abhängig, wie projekterfahren der Auftraggeber ist, der in alle Entscheidungsprozesse einzubeziehen ist.
 

Qualitätsprüfung – Erwartung des Auftraggebers.

Die Qualitätsprüfung nimmt eine zentrale Rolle in der Erwartungshaltung des Auftraggebers ein. Bauherren fordern nicht nur eine termingerechte und wirtschaftliche Umsetzung, sondern insbesondere eine hohe Qualität der ausgeführten Leistungen. Unter Qualitäten versteht man in unterschiedlichen Leistungsphasen unterschiedliche Dinge. Bei der Qualitätsprüfung geht es um die Qualität der vorliegenden Planung. Das beinhaltet beispielsweise im Bereich der Ausführung ein anlassbezogenes örtliches Analysieren der Objektüberwachung. Dabei stehen standardmäßig nicht Mängel in der Bauausführung im Mittelpunkt. Es geht vielmehr darum, die Planungsbeteiligten zu steuern, um die Koordinationsleistungen des Objektplaners zu überprüfen. Ist die Mannschaft auf Planungsseite ausreichend besetzt? Kommen sie mit den Firmen vor Ort klar?

Übrigens: Kontrolle im Sinne des Projekts beinhaltet auch, die Aufgaben des Auftraggebers einzufordern, wie zum Beispiel Entscheidungen aufgrund von fundierten Unterlagen zu treffen. Schließlich ist der Auftraggeber Teil des Teams im Sinne eines erfolgreichen Projekts.
 

assmann plus. Alle Experten unter einem Dach.

Projektsteuerer haben stets den aktuellen Stand des Projekts im Blick und wissen genau, welches Ziel erreicht werden soll - wer was bis wann und welche Aufgaben zu erledigen hat. Um Menschen in einem komplexen Bauvorhaben mitzunehmen und dieses erfolgreich zu steuern, braucht man aber mehr als Kataloge und Standards, die abgehakt werden. Die assmann gruppe setzt auf Teams mit unterschiedlichen Kompetenzen, die harmonisch zusammenarbeiten. Und baut auf eigene kommunikative Fachleute mit Managerqualitäten und Erfahrung, die zwischen den Zeilen hören und vermitteln können. Diese Fachleute setzen sich mit Planern und ausführenden Firmen an den Tisch, um frühzeitig Lösungen zu finden. Aber eben genau diese Details sind in keinem Leistungsbild verankert.

Auftraggeber profitieren von der umfassenden assmann-Expertise aus einer Hand. Umfassendes Know-how als Generalplaner steht auf kurzem Weg zur Verfügung, um mit allen Planungsbeteiligten bei Bedarf auf Augenhöhe zu diskutieren. Expertenteams sorgen für eine schnelle, fachlich fundierte Kommunikation und wirtschaftlich optimierte Lösungen.  
 

Digitale Werkzeuge: Chancen und Grenzen.

Digitale Methoden wie das  Building Information Modeling (BIM) unterstützen die Plausibilitätsprüfung. Das virtuelle Modell ermöglicht eine präzisere Planung, transparente Dokumentation und vor allem die frühzeitige Erkennung von Kollisionen in den Gewerken, zum Beispiel bei technisch anspruchsvollen Projekten mit der Technischen Ausstattung. Während der Bauphase helfen BIM-Daten, Abweichungen direkt zu identifizieren und Qualitätssicherungsprozesse effizient zu gestalten. Dennoch ist auch BIM kein Allheilmittel. Die menschliche Komponente bleibt entscheidend: Ein erfahrener Projektsteuerer muss kritische Situationen einschätzen, Konflikte moderieren und Lösungen entwickeln, die sich nicht aus einem digitalen Modell ableiten lassen.
 

Fazit: Grenzen der Plausibilitätsprüfung erkennen.

Trotz aller Maßnahmen gibt es Grenzen der Plausibilitätsprüfung. Nicht alle qualitativen Aspekte lassen sich rein rechnerisch oder dokumentarisch bewerten. Besonders in komplexen Bauvorhaben treten Unschärfen auf, die erst durch eine enge Abstimmung aller Beteiligten und durch praxisnahe Kontrollen sichtbar werden. Die Erfahrung und das Fachwissen des Projektsteuerers sind also unverzichtbar, um Bauvorhaben effizient, wirtschaftlich und in der gewünschten Qualität umzusetzen. Die assmann gruppe setzt auf eine integrierte Betrachtung von Planung, Steuerung und Bauüberwachung, um sicherzustellen, dass Auftraggeber von Anfang an die bestmöglichen Lösungen erhalten.

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