Das neue LWL-Verwaltungsgebäude mit Campus - ein Rückblick
Neues LWL-Verwaltungsgebäude mit Campus

Bauherr Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe, (LWL-BLB)
assmann Generalplanung
Architektur assmann architekten
Bild Roland Borgmann Fotografie

Mit dem Neubau an der Fürstenbergstraße hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) seinen Campus komplettiert, der Tradition und Moderne verbindet. Das neue Bürogebäude vereint Architektur, Funktion und Tradition und setzt ein traditionelles städtebauliches Zeichen im Herzen von Münster.

Ausgangspunkt war der Bedarf an Büroflächen und einem Tagungssaal, um politische Veranstaltungen in direkter Nähe zum historischen denkmalgeschützten Landeshaus zu bündeln. Das assmann-Team am Standort Münster übernahm die Generalplanung und entwickelte das Konzept weiter, nachdem die Stadt Münster mit ihrem Gestaltungsbeirat eine stärkere visuelle traditionelle Anbindung an die Fassadengestaltung des Landeshauses gefordert hatte.

In der Überarbeitung entstand die Idee, Neubau und Bestand mit ihren Außenanlagen zu einem Campus zu verbinden und diesen in gleicher Höhenlage zur Nachbarbebauung abzuschließen. Dieser Ansatz fand breite Zustimmung und ermöglichte schließlich eine Flächenoptimierung sowie die spätere Baugenehmigung.

Der LWL-BLB gab vor, moderne Arbeitswelten nach dem New-Work-Prinzipien mit offenen Bürostrukturen und Desksharing bei der Innengestaltung umzusetzen. „Unser Ziel war es, ein Gebäude zu gestalten, das sich in den städtebaulichen Kontext einfügt und gleichzeitig moderne Arbeitswelten ermöglicht“, erklärt Christof Janoschka, Objektplaner am Standort Dortmund. Architekt Dirk Schaust ergänzt: „Die visuelle Verbindung zum Landeshaus war ein bewusst gesetzter Dialog zwischen Historie und Zukunft.“ Die Ausarbeitung der dafür erforderlichen Details stellte im Zuge der Ausführungsplanung eine besondere Herausforderung für Architektin Ekaterina Medvedeva dar, die wie Janoschka und Schaust am Standort Dortmund tätig ist, und führte schließlich zum finalen Ergebnis.

Auch technisch war Präzision gefragt: „Das Tragwerk musste gestalterische Vorgaben und flexible Nutzungsmöglichkeiten vereinen“, so Manuel Thormann, Tragwerksplaner in Münster. „Dabei war es entscheidend, nachhaltige Materialien und effiziente Konstruktionen zu integrieren – ein Balanceakt zwischen Ästhetik, Funktion und technischer Präzision.“ Nick Meiners und Tizian Hüser aus dem Baumanagement am Standort Münster verantworteten die Abstimmung mit dem Auftraggeber sowie die Steuerung der bauausführenden Unternehmen. Die größte Herausforderung habe darin bestanden, die vielfältigen Schnittstellen zwischen Planung, Ausführung und den unterschiedlichen Fachdisziplinen so zu koordinieren, dass trotz laufender Anpassungen der Zeitplan eingehalten werden konnte, betonen Meiners und Hüser. Bei einem Projekt dieser Größenordnung sei es entscheidend, pragmatische Lösungen zu finden, ohne die gestalterische Qualität aus den Augen zu verlieren.

Das fünfgeschossige Gebäude bietet auf rund 4.312 m² Bürofläche Platz für rund 200 moderne Arbeitsplätze. Offene Büroflächen, Projekt- und Besprechungsräume sowie Kommunikationsboxen für vertrauliche Gespräche schaffen flexible Arbeitswelten. Coffee Points fördern den informellen Austausch. Im Dachgeschoss befinden sich ein Tagungsbereich mit offenem Foyer, klimatisierte Seminarräume und der große Tagungssaal für bis zu 130 Personen. Im Untergeschoss liegt die rund 2.200 m² große, frei belüftete Tiefgarage mit 71 Pkw- und 36 Fahrradstellplätzen sowie Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge. Weitere 25 Pkw- und 58 Fahrradstellplätze sind in den Freianlagen untergebracht. Ein Retentionsdach mit intensiver Begrünung sorgt über der Tiefgarage im Untergeschoss für eine nachhaltige Regenwasserrückhaltung. Die Grünanlage bildet das Herzstück des Campus.

Der L‑förmige Baukörper fügt sich harmonisch in die städtebauliche Silhouette an der Fürstenbergstraße ein und nimmt mit dem rotbraunen Klinker sowie den kupferfarbenen Gauben bewusst Bezüge zur Münsteraner Bautradition auf. Die große Gaube des Tagungssaals eröffnet den Blick über den Campus auf das Landeshaus und schafft damit einen Dialog zwischen Alt und Neu.

Damit ist der LWL‑Campus mehr als eine Ansammlung von Verwaltungsgebäuden des LWL; er ist ein architektonisches und städtebauliches Statement für moderne Arbeitswelten im historischen Kontext Münsters.